Montags Zeichentalente: Mehrdad Zaeri

Vor einiger Zeit bin ich auf Mehrdad Zaeris Illustrationen aufmerksam geworden und ihnen quasi „verfallen“. Umso mehr hat es mich gefreut, dass er mir ein Interview gegeben hat. Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und Schauen.

Herzlich eure Indre (MiMa)

Wach auf Süßer, ich habe uns Obst … (c) Mehrdat Zaeri

Mein Name ist Mehrdad Zaeri Esfahani. Ich kam 1970 in Isfahan/Iran auf die Welt. Am 24. Dezember 1985 im Alter von 15 Jahren bin ich als Kind einer Asylbewerberfamilie nach Deutschland gekommen.
Als ich 1992 in Heidelberg mein Abitur machte, beschloss ich, ein Leben lang Bilder zu zeichnen. So begann ich als Taxifahrer zu arbeiten und viele Austtellungen mit meinen Arbeiten zu organisieren. 2001 machte ich mich als Künstler selbstständig und hörte auf, Taxi zu fahren.

Seit 2001 arbeite ich mit Bühnenkünstlern in den Bereichen Theater, Musicals, Literaturlesungen, Tanztheater, bei Konzerten und mit Geschichtenerzählern zusammen. Ich begleite die KünstlerInnen mit meinen projizierten Zeichnungen, die Live entstehen. So kann das Publikum bei der Entstehung von Zeichnungen direkt dabei sein.

Seit 2008 bin ich als Illustrator tätig. 2009 gründete ich mit Enno Kalisch (Schauspieler und Geschichtenerzähler) und Friedwart Goebels (Pianist) die Gruppe „Knopfkino„. Wir improvisieren aus dem Moment heraus für unser Publikum Geschichten. Diese Geschichten werden mit den Elementen Musik, Erzählung und Zeichnung erzählt.

Der Kalender ist erschienen bei der Büchergilde

Zur Zeit arbeite ich unter anderem an folgenden Projekten:

  • Kalender der kuriosen Gedenktage 2012 – Büchergilde Gutenberg – erscheint im Mai 2011
  • Menschenpflichten – eine (Liebes) ERKLÄRUNG in 19 Artikeln – eine Zusammenarbeit zwischen den Studenten der Buchwissenschaften der Uni Mainz, der Büchergilde und mir – erscheint im September 2011
  • CD-Cover und Booklet der Jazz-CD „Berggeflüster“ mit langsamen und melancholischen kompositionen (Klavier, Bass, Schlagzeug) vom Trio „gerdband“.
  • Im Herbst 2011 werde ich die Musikgruppe „Grupo Sal“ auf Ihren Tourneen durch Deutschland begleiten.
(c) Mehrdat Zaeri
Wind (c) Mehrdat Zaeri

Ich habe schon immer gerne illustriert. In den ersten Jahren habe ich viele Theaterplakate entworfen. Im Laufe der Zeit bekam ich immer mehr Anfragen für Illustrationsarbeiten. 2008 bekam ich den Auftrag von der Büchergilde Gutenberg, 25 Illustrationen für das Buch „Das Chinesische Dekameron“ anzufertigen. Das war mein erster großer Auftrag für ein Buchprojekt. Durch den Erfolg dieses Projekts bekam ich immer mehr Anfragen für Illustrationen. So habe ich beschlossen, fast keine Bilderausstellungen mehr als freischaffender Zeichner zu machen und stattdessen meine Zeit für Illustrationen zu nutzen.

Meine Inspiration kommt hauptsächlich durch die tausenden von kleinen Zeichnungen, die ich mittlerweile in meinen unzähligen Skizzenhefte gesammelt habe. Diese Zeichnungen entstehen in den verschiedenen Wartezeiten des Alltags. Ich habe immer ein solches Skizzenheft und einen Stift bei mir.

Bei der Arbeit für eine Buchillustration versuche ich oft, nicht zu nah an den Text ranzukommen. Meine Zeichnungen sollen eine Erweiterung des Textes geben. Sie sollen erzählerisch sein und im besten Falle (in Kombination mit dem Text) im Kopf des Lesers zu einer Geschichte werden. Wenn der Text beispielsweise von einem Krieg erzählt, ist es für mich nicht aufregend, wenn ich einen Panzer zeichne. Schöner ist es, einen alleinstehenden Kinderwagen zu zeigen. Das regt die Gedanken und die Fantasie des Lesers viel mehr an.

(c) Mehrdat Zaeri

Was ich an meiner Arbeit als Illustrator liebe, ist der hohe Grad an Kommunikation. Ich liebe den Gedanken, dass ich das Glück habe, von meinem Zeichentisch aus mit vielen Menschen in Ihren Häusern zu kommunizieren. Was ich an meinem Beruf nicht mag, ist die Situation in der jeder Illustrator mal steckt. Der Auftraggeber hat ein fertiges Bild in seinem Kopf und möchte, dass der Zeichner genau dieses Bild aufs Papier bringt. Wenn der Illustrator auf diesen Wunsch eingeht, hat er schon verloren…

Mein Tagesablauf:
Relativ früh am Morgen (zwischen 6.00 und 7.30 Uhr) aufstehen. Frühstück. Arbeitstisch: Farbstifte, Papier, Skizzenhefte, Computer. Spazieren gehen. Viel Kino/DVD, viel Musik. Meine geliebte Frau quer durch den Tag und viel bei mir haben. Sie hat als Fotografin eine ähnliche Lebensweise.  Meine Eltern, meine Geschwister und ihre Kinder. Viel Radio (Deutschlandfunk). Kein Fernsehen (sonst würde ich Tag und Nacht ARTE gucken.) Abends gegen 23.00 Uhr ins Bett. Keine Zigaretten (noch nie), kein Alkohol (noch nie), keine andere Drogen außer Musik und Augenfutter.

2 Kommentare
  1. mamizeit
    mamizeit says:

    Das ist ein Name, den ich mir merken werde. Die Illustrationen sind wirklich etwas ganz besonderes! Danke für den Artikel!

  2. Andrea
    Andrea says:

    sehr interessant! das 5er kleinformat liegt hoffentlich schon bald in meinem postkasten! 🙂 freu mich aufs lesen,
    liebe grüße,
    andrea

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