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SELBERMACHEN: Chloe Mantelschnitt in blauem Pony

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Post könnte auch „Das Leben ist (k)ein Ponyhof heißen“, geht es doch um den steinigen Weg zum Chloe Mantelschnitt aus blauem Ponyfellstoff.

Nachdem ich auch die Burg-Nähwochenenden eingestellt habe, klaffte eine Lücke. Ein Wochenende nur Nähen – nur für mich – das musste jetzt aber schon noch sein…
Also schnappte ich meine Freundin Alex vom Stoffsalon und schon fuhren wir wieder mit vollbepackten Autos gen Süden.
Mein Ikea-Sack beinhaltete Material für eher ein Jahr als ein Wochenende. Aber das geht wohl jedem so – außer Dir, liebe Elke – die nämlich immer alles super perfekt in Klarsichtboxen projektweise organisiert hat. Und daher ganz genau weiß, was sich in 2,5 Tagen ausgeht.
Gut, ich war schon immer Meisterin der – zumindest antizipatorischen – Raumzeitausdehnung und habe halt vorgesorgt. Falls sich das Zeitloch auftut. Nicht dass ich dann da stünde. Ohne nix.

Ponyfell, das keines ist. Und Chloe MANTELSCHNITT aus Belgien.

Aber keine Sorge liebe Mitmenschen. Auch mein Zeitloch hat sich nicht aufgetan. Es hat sich nämlich GAR NIX aufgetan. Ausser einer Menge ARBEIT! Im Stoffsalon habe ich mich nämlich in ein blaues Polyfell für den Chloe Mantelschnitt von La Maison Victor verliebt. In echt ist es irgendeine superarge High-End-Alpaka-Kaschmir-Schießmichtotwollmischung mit langen dunkelblauen Fasern, die eben fellähnlich daherkommen. So teuer wie ein Auto, habe ich mich damit schon die Avenue village (aka Dorfstraße) runterflanieren sehen (Achtung, ich wohne ja jetzt am Land!), begleitet von bewundernden und neidvollen Blicken…Ups, dann bin ich aufgewacht:

Nämlich inmitten eines blauen Wollfuselhaufens. Zitternd draußen auf der Terrasse. Weil ich schon ahnte, dass das Pony sein Winterfell beim Zuschneiden eher störrisch verbreiten als gehorsam bei sich behalten wird.

VERDECKTE Knopfleiste und füttern –
WARUM EINFACH, wenn es kompliziert auch geht?

Dass ich die Ärmel (jetzt zum  3. – in Worten: DRITTEN – Mal) zu kurz zugeschnitten habe, erwähnen wir jetzt nicht extra. Was landläufig als 3/4 Ärmel schick empfunden wird, heißt bei mir nur: brrrr – kalt! Ich peile immer eine naja, handgelenkfreie Kompromisslösung an und darf dann immer mit Besätzen mit praktisch keiner Nahtzugabe arbeiten, weil ich beim Zuschneiden – jetzt eben schon beim 3. Mantel vergessen habe, dass ich ja länger…usw, usw…

Chloe in echt ist ungefüttert und schließt mit Druckknöpfen.

Pah, Anfängermodell. Frau Wally will füttern UND VERDECKT schließen. Genau!

Das letzte Mal, als ich eine verdeckte Knopfleiste genäht habe, war in der Schule. Oder vielleicht auch gar noch nie. Aber beim Mantel sicher noch nie. Also begann ich in unserer Nähherberge zu googeln. Ja, die eine Methode mit Falte kannte ich, aber das Pony ist viel zu dick für Falten. Die andere Methode mit Futterbeleg gefiel mir nicht. Weiter googeln. Ahhh, jaja da war diese Methode, die irgendwie so wirkt wie eine Art eingeschnittene Tasche. Sieht man öfter bei Herrenmänteln. Man hat nur einen Beleg. Das geht grad noch mit Pony. Dann folgte angestrengtes Nachdenken, wie das zu lösen sei. Noch hochmotiviert habe ich alle Schritte brav ab- und die Idee mit dem bunten Schrägband eingearbeitet.

 

 

 

 

 

 

 

Dabei gab es erste Anzeichen von Ponytrotzigkeit: Der Stoff zieht sich wie ein Strudelteig. Das schöne Fell hängt auf einer relativ locker gewebten Unterkonstruktion. Das Bügeln verlangt nach viel Dampf, das diesen Unterstoff sehr weich macht. Wer nicht den Stoff fast auskühlen lässt, nach dem Dampfen (und nur so machen es die Profis. Dauert aber Dank Absauganlage professioneller Bügelstationen halt nur ein paar Sekunden), der wird mit totalem Eigenleben in alle Richtungen bestraft.

Warum mein kleines Nähbuch gold wert ist ;-))

 

 

 

 

 

 

 

Man sieht hier auch einen guten Trick aus meinem Nähbuch: ein Streifen Tixo dort wo ein Knopfloch entstehen soll, hilft enorm bei allen Stoffen mit Flor und auch bei allen dehnbaren Stoffen. Das Pony hatte VIEL Flor – UND dehnte sich auch. Also Tixo…

 

 

 

 

 

 

 

Und was soll ich sagen? DIESER Teil dieser Reise war sehr gut gelungen!

Einen Mantel zu füttern ist per se jetzt nicht das ganz große Drama. Vor allem, wenn es eh schon Belege gibt. Man nehme den Oberstoffschnitt und lege die Besätze drauf (üblicherweise an VT an der VM und am RT ganz oben am Hals), die neue Linie nachzeichnen. Also sind die VT um die Besatzbreite schmäler, die RT um den Halsbesatz kürzer.

Beim Zuschneiden legt man das RT üblicherweise im Stoffbruch an und gibt aber dann ca. 2 cm dazu: also in echt rückt man das Schnittteil 2 cm von der Stoffbruchkante weg. Diesen „Überschuss“ braucht man, damit der Oberstoff schön über die Trägerin „rutscht“ und eben nicht spannt oder sonstwas macht, was man nicht will. Oben am Besatz und unten am Saum wird dieser „Überschuss“ dann als Falte weggefaltet, sodass die Weite wieder mit Besatz bzw. Saum übereinstimmt.

FUTTER BRAUCHT WEITE

Der Chloe Mantelschnitt hat Raglanärmel, da muss man auch oben beim Hals den Besatz wegzeichnen, bzw. eben die Futterärmel ohne die Besatzbreite zuschneiden.
Dann näht man ebendiese ans RT, die VTs auch dran, bügelt und freut sich.
Ich habe dann für professionelleres Aussehen die Besatzkante mit Schrägband versäubert. Und danach das Futter entlang dieser reingesteckt und den Besatz li/re ans Futter genäht – bei mir genau in der Schrägbandnahtfurche.

Hat alles gut geklappt.

Die Oberstoffärmel habe ich auf links gezogen und die Futterärmel ähnlich wie beim Loopschal gegengenäht – auch an den Ärmelsaum versteht sich. Der bei mir halt ein extra Teil war – siehe oben.

Ging auch noch gut.

Dann macht man üblicherweise die Saumlänge des Oberstoffmantels – am besten mit Freundin rundherum abstecken. Und näht das Futter re/re dagegen. Das sollte beim Futter eine Falte ergeben. Man hat ja den Mantelsaum hochgeklappt, nun muss ja der Futtersaum auch hochgeklappt werden. Auch hier braucht man etwas Mehrweite – wie in der Breite bei der RM dazugegeben – damit nichts spannt.

MANTEL FüTTERN ODER LIEBER YOGA?

Genau hier bockte das Pony.
Genau hier ist DER Zen-Moment des Nähens: Landet das Teil im Müll. Bei dem Preis???? Niemals!!! Oder wird ein Sofakissen – was für eine Niederlage… Oder atmet man tief ein und aus.

Ich habe nichts davon gemacht.
Und wie es einem ergeht, wenn die Nachkommenschaft einem vor bis dahin nicht vorhandene Lebenssituationen stellt, weil z.b. ein Kind über Nacht und ohne Ankündigung zum aufmüpfigen Teenager mutiert ist, ist man völlig überfordert.  Ok, bin ICH völlig überfordert.

Ich tendiere zum Festbeißen und grüble und tüftle so lange, bis ich eine Lösung finde. Das kann schnell gehen. Oder Stunden dauern. Und wenn ich mich schon normalerweise oft frage, ob ich ein Segen für die Menschheit bin, in diesem Momenten bin ich es mit Sicherheit nicht.

VORSicht bissig!

Aber dafür fährt man ja auf ein Nähwochenende. Weil während Familienmitglieder eher dazu neigen, genau in solchen Momenten, einen mit Kernfragen der Menschheit zu konfrontieren: Essen wir heute noch was? oder Ich habe morgen Geo! (Wo der letzte und einzige Test in diesem Semester ein Fünfer war…!) oder generell: Mamaaaaa…..! sind langjährige Freundinnen eben … Freundinnen. Stellen einem wortlos und ungefragt den 47. Kaffee vor die Nase, öffnen Türen und Fenster und … schweigen ganz einfach.

Ich weiß nicht, wie ich es schlussendlich hingebracht habe, dass Futter und Oberstoff dann saummäßig doch zueinander gefunden haben. Aber ich kann nur sagen, es war eine schwere Geburt.

Natürlich ist es wie bei Kindern. Das Ergebnis wiegt den Prozess weitaus auf und ich bin suuuuper glücklich, dass ich mit festgebissen – und nicht aufgegeben habe.

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Jetzt kann ich super stylish zu meinen Schwiegereltern radeln. Oder zum Zahnarzttermin ;-)))

fazit:

Ponystoff ist super, sollte aber, wenn das Projekt ein Sofakissen know-how-mäßig übersteigt, wirklich nur in erfahrene Hände. Der Chloe Mantelschnitt ist deppensicher. Wenn man ihn füttern will, sollte man sich das nicht als allererstes Nähprojekt vornehmen und bei der Stoffwahl auf einen nähfreundlicheren Oberstoff setzen. Das mit der verdeckten Knopfleiste muss ja auch nicht unbedingt sein. Druckknöpfe sind auch total super ;-))

Schnitt: Chloe von LaMaisonVictor

Stoff: Stoffsalon

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