Dirndlgwandsonntag

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Das mit dem Dirndl ist so eine Sache.
Ich liebe Dirndl.
Ich liebe die Handwerkskunst, die es braucht um ein schönes, ein gut sitzendes zu erzeugen.
Und damit spreche ich nun nicht von tollen Schneiderwerkstätten – oder sagen wir lieber, ganz im Sinne der neuen österreichischen Bewusstseinskultur, deren Papier gewordener Vorreiter das Servus-Magazin ist – Schneidermanufakturen. Nein, meine Mutter noch und auch noch Frauen nach ihr, haben sich ihr Dirndl selbst genäht.
Ja wären gar nicht auf die Idee gekommen, das aus der Hand zu geben.
Ich liebe die Bettwäsche, die als Futter für das Dirndl nochmal zu Ehren gekommen ist. Ich liebe die vielen Details, die davon Kunde geben, dass das Dirndl nicht für einen Tag gemacht wurde, sondern für viele. Dass man genug Material drinnen hatte, dass es mit einem mitwachsen konnte. Dass die Nähte so verarbeitet wurden, dass das Dirndl gewaschen werden konnte.

Aber Österreich hat eine Vergangenheit, die sich gerade wieder allzu sehr abzeichnet. Gerade wieder dreht sich einem täglich der Magen um. Und die übrige Welt spendet jetzt auch nicht gerade Trost. Es ist wohl eher das unaufgearbeitete Trauma eine Großmacht gewesen zu sein. Mit all dem Brimborium eines Kaiserreichs. Und die Sehnsucht danach bewundert zu werden, ja, wofür eigentlich…?  Wohl dafür, dass man einfach mit dem richtigen Nachnamen, dem richtigen Taufschein geboren worden ist. Die von Franz Antel auf Zelluloid verewigten Bilder eines Österreichs, das so eh nie existiert hat, wollen einfach nicht verblassen.  Anstatt sich hinzusetzen und über den eigenen Tellerrand hinweg gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die die eigene aufplissierte Persönlichkeit außer Acht lassen, ist es doch so viel einfacher, die Schönheit unserer Alpen, Seen, Lippizzaner, Schlösser und Villen, Dirndl und Lederhosen zu preisen.

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Der Dirndlgwandsonntag ist so eine Maßnahme.

Gerne getragen vom ehemaligen Landeshauptmann Erwin Pröll ist es eine perfekte Gelegenheit sich volksnah und handfest zu geben. Ein Land voller echter Männer halt. Und die Frauen schauen einfach zum Anbeißen aus in ihren Dirndln.

Aus dieser Sicht betrachtet, dürfte man nie wieder ein Dirndl anziehen. Aber so einfach mache ich es mir nicht. Ich mag Dirndl. Und ich trage sie auch. Und weil alle, die ich besitze, von mir selbst genäht sind, trage ich sie auch noch mit besonderem Stolz.

Auf den ersten Blick mag ich dadurch diese wirklich zu hinterfragenden Tendenzen meines Landes unterstützen. Aber ich mag mir auch ein persönliches Vergnügen nicht vermiesen lassen, weil viele meiner Landesgenossinnen und -genossen, auf gut österreichisch gesagt: schene Deppen san.

Insofern Dirndl. Ja.Trotzdem.

 

Dirndl. Not as easy as it may seem at first sight.
I love Dirndl. 
This Austrian traditional costume: a dress with tight body and fully skirt. Worn with gathered apron and usually a with blouse. The whole shape emphasises typical female features like bust and waist. Usually it comes in bright colours and is seen very often in more alpine regions at every occasion you can imagine. 
I love Dirndl for all the necessary skills you need to make one. And here I do not speak of Dirndl seamstresses or manufacturing companies. I speak of plain women who all had the skills to turn worn duvet covers into dirndl linings, who know how to work seams, so the Dirndl can be washed, of the technical details like enough sewing allowances so the owner can gain or loose some weight. Things like that.

But Austria has a past currently shining through very much too much for my personal taste. And the rest of the world is not place to turn in these days. Maybe it roots in the former monarchy. With all the small and big benefits of being exactly that. Adored for … what exactly? Just being born with the right name and the right birth documents? Franz Antels endless movies of Austria created a certain image of Austria like it never was.  But it seems these images will never fade. Instead of working hard despite of personal favourites to gain a satisfying solution for all, it is so much easier to praise the beauty of our alps, lakes, Lippizaner horses, castles and villas, Dirndl and Lederhosen.

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The Dirndlgwandsonntag (Dirndl Sunday) is exactly such a thing.

Former lower Austrian gouvernor Erwin Pröll was seen everywhere in his traditional costume suit. This day is too perfect for all and any politician to showcase their love for their country and its people. To show what great men they are. And the women all look so beautiful in their Dirndl.

From this point of view no one should ever wear a Dirndl again. But this is too easy for me. I love Dirndl. And I love to wear them. And because all of them are made by me, I wear them with pride.

At the first sight I might support these questionable tendencies in my country. But I do not want to give up a personal joy only because some of my fellow citizens are – spoken in genuine Austrian: schene Deppen (quite pretty idiots).

So Dirndl. Yes. Although.

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